Warum Glaube – Warum Kirche? Veranstaltung mit Prof. Andreas Kruse

by Regine Klusmann, 9. August 2016

Mit mutigem Glauben gegen Gleichgültigkeit

Professor Andreas Kruse beleuchtet in Überlingen die Wurzeln und Verpflichtung von Christen und Kirchen von Hanspeter Walter/Südkurier am 16.6.2016

Überlingen (hpw) Zwei Millionen Euro für die Sanierung einer Kirche ausgeben? Auf den ersten Blick möge dies „widersinnig“ erscheinen, erklärte Regine Klusmann, Dekanin des Evangelischen Kirchenbezirks, in ihrer Begrüßung zum Vortrag von Professor Andreas Kruse in der Auferstehungskirche. Zumal es viele Austritte und andere wichtige Dinge zu tun gäbe. „Doch Glaube braucht ein Zuhause“, sagte Klusmann. Und sie sei „der festen Überzeugung, dass unser Land ohne das gesellschaftliche Engagement von Christen ein viel weniger menschliches Gesicht hätte.“

Nicht nur Bestätigung dieser Bewertung, mehr noch aufrüttelnder Appell zum Handeln war der Vortrag Andreas Kruses („Warum Glaube? Warum Kirche?“), der den Bogen von der Ideenlehre Platons zum „Weltgeist“ des gut 600 Jahre später lebenden Plotin und den mittelalterlichen Mystikern schlug. Neben einer „Mundus sensibilis“ – einer erfahrbaren Welt – gebe es mit der „Mundus intellegibilis“ auch eine „Welt, die wir nur erschließen, denken oder glauben können“, resümierte Kruse. Dies mache die enge Verbindung zwischen Philosophie und Glauben deutlich,

Er beschäftigte sich mit der Theodizee, dem vermeintlichen Widerspruch zwischen Unrecht und Leid und einer göttlichen Welt, um so konkret auf die ethische Verpflichtung eines Christen zu kommen, im Sinne von Nächstenliebe zu handeln. Als Vorbild nannte er den eben verstorbenen Rupert Neudeck, der dieses Prinzip mit seiner Frau uneitel und kompromisslos gelebt habe. Deren Arbeit belege, dass der Glaube, wenn er die Menschen erfülle, etwas sehr Motivierendes sein könne. Kruse: „Im Grunde müssten wir in die Welt hinaus gehen und aktiv werden, um das Leid zu lindern.“

Beeindruckend nannte Andreas Kruse, „wenn der Glaube in dieser Art und Weise politisch wird.“ Mit Johann Baptist Metz appellierte Kruse, den Glauben in Freiheit und mit Mut zu leben und gegen Gleichgültigkeit anzukämpfen. „Nicht alle hatten und haben den erforderlichen Mut, wenn es um die Flüchtlingsfrage geht“, betonte er. „Ihr dürft nicht mit der Politik kungeln“, schrieb er den Kirchenvertretern ins Stammbuch: „Ihr seid ein moralisch-sittliches Korrektiv.“

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